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Dienstag, 6. mai 2008
von Thorben Petersen veröffentlicht in: Sport
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Vor dieser Saison, die sich nun allmählich dem Ende entgegen neigt (und gerade deswegen so unheimlich spannend sind, da natürlich die Playoffs laufen), machte einer von sich reden, von dem nicht viele geglaubt hätten, dass er die MVP-Tröphae dieses Jahr nach LA holen wird – Kobe Bean Bryant.


 

Dabei war neben den vor Saisonbeginn gewohnheitsgemäß unsicheren Parametern der individuellen Form und Verletzungs(un)anfälligkeit noch sehr viel zweifelhafter, dass KB24 für die Lakers auflaufen würde. Unendlich frustriert über das abermalig frühe Ausscheiden seiner Mannschaft in den letztjährigen Playoffs und gleichfalls beschwingt durch seinen Auftritt im US-amerikanischen Olympiaqualifikationsteam und sein Aufeinandertreffen mit Klasse-Spielern wie Jason Kidd, LeBron James oder Dwight Howard begann es in seinem Hirn zu rotieren. Ihm war klar, dass er keine Chance auf den Titel haben würde, wenn sich die LA Lakers nicht eklatant verstärken würden. Jahr um Jahr hatte man ihm genau das versprochen, ihn auf das nächste Jahr, auf die nächste Gelegenheit für einen Sieg bringenden Blockbuster-Trade vertröstet. Aber der kam nicht. Und Kobe fühlte sich verständlicherweise im Stich gelassen.
 Genau dieser für die La-La-Land beinahe fatale Mix von Unzufriedenheit und der Erkenntnis, wie viel besser ein weiterer wirklicher Topspieler die Lakers machen könnte, führte dazu, dass sich der Star in einem Interview nicht nur kritisch über das Management äußerte, sondern weit darüber hinaus ging: Kobe forderte den Trade und bzw. oder die Wiedereinsetzung von Jerry West als GM.

 

Wie auch immer die Lakers ihren Superstar damals beruhigt haben – ein gewichtiger Grund für sein Bleiben war vermutlich Phil Jackson, dessen Siegermentalität offenkundig einen gewaltigen Eindruck, ja geradezu eine Faszination auf den fast krankhaft ehrgeizigen Sohn des früheren NBA-Spielers in Reihen der 76ers Joe „Bellybean“ Bryant ausübt – kurz vor Trade-Deadline taten sie das, wonach ihr Star sich so sehnte: Sie holten einen Co-Star mit Paul Gasol.

 

 

Der Spanier, der bei den Memphis Grizzlies langsam aber sicher in der Versenkung zu verschwinden drohte, spielte gleich zu Beginn (nach relativ kurzer Verletzungspause direkt nach dem Trade) groß auf. Als habe er in seinem Leben nichts anderes gemacht, lief der 7-Footer mit dem soften Touch aus der Mid-Range die Triangle wie im Schlaf und schockte die Liga: Kobe und Paul, dazu ein seit dem Trade wie auf magische Weise mit einem immensen Selbstvertrauen beseelte Lamar Odom führten die Lakers von Sieg zu Sieg. Die Leute aus der 2. Reihe profitierten ebenfalls von der merklichen Dominanz Gasols im Post und der Zone: Jordan Farmar, Sasha Vujacic und Vladimir Radmanovic deckten angeführt von dem vor Saisonbeginn aus Utah zur Truppe zurückgekehrten Derek Fisher die Gegner von außen ein, Odom, Walton und Turiaf erledigten die vielen kleinen Dinge, die zum Sieg nötig sind. Und Kobe? Kobe war Kobe. Mit dem kleinen Unterschied, dass er noch ein kleines bisschen uneigennütziger spielen und sich in der Offense auch mal 1, 2 Spiele komplett zurücknehmen konnte, weil es auch ohne ihn lief.

 

Momentan sind die Lakers in ihren 6 bisherigen Spielen in den Playoffs ungeschlagen – eine Trendwende scheint so bald nicht zu erwarten zu sein. Zu eingespielt wirkt das Team aus dem sonnigen Californien, zu perfekt erscheint die Triangle Offense den Spielertypen der Lakers in die Hände zu spielen…und nicht zuletzt: Zu verbissen und siegeshungrig tritt der noch zu benennende MVP dieser Saison auf: Kobe will allen beweisen, dass nun ER bereit ist, die Lakers zum Titel zu führen. Dass auch mit IHM als Nummer 1 die Lakers nach den Sternen greifen können und den Titel der stärksten Liga der Welt einfahren können. Dass man keinen Shaq mehr braucht in LA, um diesen so unglaublich protzigen Goldpokal in den Sonnenstaat zu holen. Und wahrlich ist Bryant zu einem der komplettesten Spieler gereift, die die NBA je gesehen hat: Sein Offensivspiel beginnt bereits knappe 2,5 m hinter der Dreierlinie und endet bei krachenden 360°-Dunks mit Kopf auf Ringniveau. Seine Leadership-Qualitäten sind mittlerweile das, was seine Mannschaft im Innersten zusammenhält. Sein Killerinstinkt wird vermutlich nur von denen Larry Birds und Michael Jordans übertroffen. Bryants Defense, eine Facette des Spiels, die gerne mal von so genannten Stars vernachlässigt wird, bewegt sich zudem auf Top-Niveau, was ihm insgesamt 7 All-Defensive-Team-Nominations einbrachte. Und sein Wille, die Mitspieler einzubinden, muss schon deswegen beeindrucken, weil sich jeder Normalsterbliche kritisch selbst hinterfragen sollte: Wenn ich mit seinen Talenten gesegnet wäre, würde ich dann nicht 50 Würfe pro Spiel nehmen. Kobe war einmal so, doch er hat gelernt, dass es keine Championship geben wird ohne sein Team – eine Einsicht, für die Jordan sehr viel länger brauchte und die Bereitwilligkeit Bryants zum Teamplay ist wahrscheinlich auch den Gesprächen mit dem besten Basketballer aller Zeiten geschuldet, der sich dereinst in einer sehr ähnlichen Situation wiederfand.
Alles in allem sind die Lakers bereit für den ganz großen Wurf – und dass the player formerly known as KB8 die Maurice-Podoloff-Trophy mehr als verdient hat, sollte noch nicht einmal diskutiert werden.

 

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