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Mittwoch, 30. april 2008
von Thorben Petersen veröffentlicht in: Sport
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Die Dallas Mavericks haben sich verspekuliert. Man muss es so drastisch ausdrücken und da es für den geneigten Beobachter der nach wie vor stärksten Basketball-Liga der Welt  glasklar ist, dass dem so ist, entscheide ich mich hiermit dafür, das Ergebnis des folgenden Textes ihm voran zu stellen. Es ist nämlich kein Geheimnis, dass sie auf die falschen Pferde gesetzt haben - interessant wird es einzig werden, zu untersuchen, wie diese Pferde heißen...und was sie geritten hat. Sicher, die Gründe für den erneuten Untergang des hoffnungsfrohen Mavs-Schiffs sind vielfältig und mit Sicherheit nicht an den folgen Gründen ganz allein festzumachen - sie sind nichtsdestowenigertrotz die primären Faktoren für das, was mal wieder mit der Millionen schweren Franchise Mark Cubans geschehen ist.

Die Saison und ihre Vorzeichen
Nach einer im letzten Jahr noch zweifelsohne hervorragenden Regular Season quälten sich die Mavs dieses Jahr mit mehr schlechter als rechter Bilanz durch eben jene. 51 Siege standen 31 Niederlagen gegenüber, die durchaus respektable Heimbilanz (34-7), die Platz 2 unter den starken West-Teams bedeutete, wurde jedoch durch eine eines Spitzenteams unwürdigen Auswärtsschwäche (17-24) überschattet. Zum Vergleich: Im Vorjahr gewann man nich 31 von 41 Roadgames und konnte mit der Liga-Spitzen-Quote von knapp 82% gewonnen Spielen aufwarten.

Dieses Jahr jedoch verlief vieles anders, weniges besser, fast alles schlechter.
Nachdem in der Saison 1 nach Don Nelson Trainer-Neuling Avery Johnson das Zepter übernahm und in der 2006/07er Saison den oben beschriebenen Erfolg feiern konnte, war von dieser Leistung in der diesjährigen Serie nichts mehr zu sehen. Vermeintliche Spitzenspieler wie Josh Howard, die letztes Jahr schon als All-Star-Kandidaten gehandelt wurden, entwickelten sich nicht nur nicht weiter - sie machten de facto einen gehörigen Schritt zurück. Diese Entwicklung machte auch vor "Uns Dirk" nicht Halt. Der letztjährige MVP zeigte diese Saison ein ums andere Mal, dass die Kritiker, die nach dem letztjährigen Playoff-Aus die Auszeichung des Deutschen mit der Trophäe des wertvollsten Spielers arg (und meiner Meinung nach zu Unrecht) monierten, im Kern Recht hatten.
Sicher, Nowitzki ist der Leader des Teams aus Texas, hatte keine überragende Saison (schwer, schwer lastete sicher die Erwartungshaltung nach der Blamage der vorherigen Postseason auf ihm); aber das sang- und klanglose Ausscheiden der Dallas Mavericks an seiner Person festzumachen wäre nicht nur unfair, sondern auch das Ergebnis einer Problemesuche, die das leichteste Ergebnis präferiert: Scheitern des Teams = Leader ist schuld. Das ist - man muss es in aller Deutlichkeit sagen - Schwachsinn.
Letztlich wirkten etliche Faktoren zusammen, die sich im Endeffekt in der schlechten (West-)Bilanz der Mavs niederschlugen. Zudem muss man bedenken, dass die Mavs nun auch nicht so schlecht waren, wie es der 7. Platz im Westen vielleicht vermuten lässt: Würde man die Fiktion einer einigen NBA sich vor Augen führen und die 16 zu vergebenden Playoffplätze unabhängig von Conference-Zugehörigkeit vergeben, so wären unter diesen 16 Teams 10 aus der Western Conference und das obwohl diese mehr Spiele gegen Clubs der eigenen (stärkeren) Conference bestreiten müssen als gegen die der Eastern Conference.
Es bleibt aber dabei -und dies muss jeder unumwunden zugeben: Die Dallas Mavericks haben im Vergleich zur letztjährigen regulären Saison sehr viel schlechter abgeschnitten.
Den Angstschweiß auf der Stirn, den Tradeblock vor Augen, die Vision im Kopf
Mark Cuban ist ein guter Mann. Nicht nur tanzt er ganz hervorragend, wovon man sich während seiner Auftritte bei "Dancing with the Stars" überzeugen konnte; viel wichtiger ist, dass er dieses Spiel liebt. Er atmet, er blutet Basketball. Er ist vielleicht derjenige aller NBA-Klubbesitzer, dem man am ehesten die Lebensgrundlage entzöge, müsste er sein heiß geliebtes Team abgeben.

Doch Mark Cuban hat einen Fehler gemacht bzw. sich von seinem Head-Coach Avery Johnson dazu drängen lassen: Er verpflichtete, vielleicht auch aus einer gewissen Panik heraus, da alle Titelkandidaten um ihn herum aufrüsteten Jason Kidd. Der Zugzwang, unter dem er sich befand, bestand durchaus auf den ersten Blick: Die Lakers holten Paul Gasol, die Phoenix Suns ließen The Matrix Shawn Marion nach Miami ziehen, um im Gegenzug den Shaqster in den Sonnenstaat zu lotsen. So entschied sich Cuban also, den hoch talentierten Davin Harris mit einer Hand voll supporting cast members nach New Jersey zu verschiffen, um sich die Dienste des alternden Floor Generals J-Kidd zu sichern.

Nur um diesem Missverständnis vorzubeugen: Ich bin keineswegs der Meinung, dass Kidd versagt hat. Versagt haben vielmehr diejenigen Verantwortlichen, die ihn verpflichteten. Kurzum: Jason Kidd macht die Mavs nicht besser. Und das ist noch nicht einmal seine Schuld, weil er ganz einfach nicht das Spielermaterial um sich herum hat, das er besser machen könnte. In Jersey hatte er nicht nur einen Carter und einen Jefferson um sich herum, die er im Break bedienen konnte, sondern mit Josh Boone beispielsweise auch einen Spieler, der neben den vorgenannten Stars in der Lage war und ist, Alley-Oop-Vorlagen Kidds mit krachenden Dunks  abzuschließen. Kurzum: Jersey war als Team zwar sicherlich schwächer als Dallas, aber es konnte durch Kidds Spiel komplimentiert werden. Wenn man sich die Mavs anguckt, ist das nunmal ein Team, dass von einem solchen Ausnahmekönner auf der Point-Guard-Position nicht wesentlich profitiert. Jerry Stackhouse kann man nicht mehr einfach irgendwo oberhalb des Ringniveaus anspielen. Selbiges gilt für Eddie Jones. Dirk den Ball in den Low-Post passen könnte jeder 8-jährige. Jason Terry ist ein Spieler, der gern seinen eigenen Wurf per Dribblong kreiert und nicht auf Vorlagen angewiesen ist/sein will. Josh Howard wäre noch am ehesten derjenige Spieler, den Kidd um einiges besser machen könnte - doch gerade er, der gerade erst zum perfekt unpassendsten Zeitpunkt (mal wieder) freimütig bekannt gab, gern mal ein bisschen von dem homegrown in der Off-Season zu rauchen, ist diese Saison leistungsmäßig komplett eingebrochen.
Das gesamte Mavs-Team ist schlicht nicht genug auf Athletik ausgelegt, um von Kidd so richtig zu profitieren. Meiner Meinung nach ist der title quest dieser Franchise voererst zuende. Vielleicht werden sie in der nächsten Season mehr Spiele gewinnen als in dieser, nachdem Kidd eine komplette Vorbereitung mit dem Team bestritten hat. Doch einen Spieler wie Devin Harris, der auch mal Coast-to-Coast gehen und die Punkte machen kann, abgegeben zu haben, um mit Kidd alles auf die Karte "Titel diese Saison" zu setzen, empfinde ich als das Ergebnis einer Fehlprognose/-einschätzung über die individuellen Fähigkeiten eines Jason Kidd bzw. - und das ist sehr viel schlimmer - einer Fehleinschätzung über das eigene Team. So gut Kidd auch sein mag, er ist ein Spieler, der vor allen Dingen Shooting Guards und Small Forwards besser machen kann, da er nun einmal nicht den sichersten Wurf hat und dem entsprechend ein Pick-and-Roll Play mit einem größeren Spieler (wie Nowitzki) anders als bei Nash oder früher in der Kombination Stockton und Malone nur bedingt zum Erfolg führt. Hinzu kommt, dass Nowitzki als bester Spieler der Mavs nun nicht gerade dafür bekannt ist, ein Genie was das Laufen von komplizierteren Spielzügen (= 2+x Pässe) zu sein und schon gar nicht jemand ist, der auch mal ohne Ball zum Korb schneidet, um dort einen Zuckerpass von Kidd zu verwerten. Nowitzki hat zweifelsohne an Klasse gewonnen, er ist nicht mehr der eindimensionale Shooter von einst - aber er ist nunmal auch kein Kobe Bryant oder Vince Carter.
Der Weg zum Titel..

...scheint für's Erste zumindest durch eigene Fehler in der Personalpolitik verstellt zu sein. Kidd hat noch 2 Jahre Vertrag und ob irgendein General Manager in der NBA verrückt genug ist, dem zukunftigen Hall of Famer einen Platz in seiner Franchise einzuräumen, ist fragwürdig und jene Chance tendiert zumindest seit dem Zeitpunkt der Ablösung des Isiah "Ich-bin-stets-auf-der-Suche-nach-unverschämt-überbezahlten-Invaliden" Thomas als Präsident der New York Knicks gegen null. Doch gerade in so einer Situation kann sich Mark Cuban als wahres Genie herausstellen. Wenn es ihm gelingt, trotz aller Widrigkeiten einen absoluten Starspieler nach Dallas zu holen, mit dem das Team auch etwas anfangen kann (Sollte Dwayne Wade beispielsweise auch nur im geringsten Maße eine Augenbraue heben beim Anblick dessen, was so bei seinen Miami Heat rumkriecht, sollte Cuban bereit sein, sein gesamtes Team mit Ausnahme von Dirk abzugeben), so baut er sich damit sein eigenes Denkmal. Sollte er innerhalb der nächsten zwei Jahre jedoch keinen derartigen Coup landen, so ist er vielleicht auf dem besten Wege, seinem Ex-Kollegen der Knickerbockers auf dem Fuße zu folgen. Und wer den zu Tränen gerührten Boss von Nowitzki bei dessen MVP-Pressekonferenz letzte Saison gesehen hat, der wünscht ihm letzteres bestimmt nicht...
Nachtrag: Einen Tag nach dem Ausscheiden verkündete der Manager of Basketball Operations der Mavs die Entlassung von Head-Coach Avery Johnson. Als Nachfolgekandidaten werden zurzeit Jeff Van Gundy (zuletzt Knicks), Mike D'Antoni (momentan noch Suns) und Rick Carlisle (zuletzt Detroit) heiß gehandelt.


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