Donnerstag, 1. mai 2008
von Thorben Petersen
veröffentlicht in:
Sport
empfehlen
Vor dem Spiel: Aufstellungen und Ausgangspositionen
Zenit St. Petersburg: Malafejew - Hubocan, Schirokow, Krizanac,
Anjukow - Timostschuk - Denisow (Ionow, 90'+1'), Zyrianow, Fajsulin, Dominguez (Lee, 89') - Pogrebnjak
FC Bayern München: Kahn - Lahm, Lucio, Demichelis, Jansen (Lell, 46') - Schweinsteiger, Zé Roberto (Podolski, 46'), van
Bommel, Ribéry - Toni, Klose (Sosa, 62')
Bayern muss zumindest ein Tor erzielen, um überhaupt eine Chance auf den Einzug ins Final des UEFA-Cups zu haben. Sowohl bei jedem Sieg stehen die Münchener im Endspiel, als auch bei jedem
Unentschieden, das höher als 1:1 ausfällt. Bei einem 1:1 geht es in die Verlängerung, bei einem 0:0 oder jeder Niederlage spielt St. Petersburg um die Trophäe in Manchester.
Die Münchener können - ausgenommen der Langzeitverletzte Hamit Altintop - auf ihre beste Mannschaft zurückgreifen, nachdem auch der italienische Weltmeister Luca Toni nach abgesessener
Gelbsperre wieder in den Kader zurückkehrte.
Nach öffentlicher Kritik an Trainer Ottmar Hitzfeld verblieb Willy Sagnol in München, um dort allein zu trainieren.
Spielbeginn bis 20':
Bayern beginnt gefällig, kommt über Klose in der 2. Minute zu
einer guten Chance nach Kopfballvorlage von Toni, die Schirokow jedoch klar der Linie klärt.
In der 4. Minute kommt Zenit mit seiner ersten Chance zum 1:0: Nach Foulspiel von Lucio drehen sich Schweinsteiger und Ribéry beim anschließenden Freistoß weg, der Ball schlägt links vom Keeper
mittig im Tor ein. Ein verdutzter Kahn bedeutet seinen Vorderleuten, nichts gesehen zu haben - zu Recht. Die Stimmung auf den Rängen wird merklich besser.
Bei Bayern geht anfangs mehr über links, Jansens Flanken sind jedoch zu ungenau und oftmals viel zu hoch und damit leichte Beute für Malajew.
Bayern macht zwar das Spiel, doch richtig zwingende Chancen sind Mangelware: Ribéry (8' aus 20 m) und Zé Roberto (9' aus 18 m) versuchen sich aus der Distanz - ohne Erfolg.
In der 15' kommt Zyrianow zu einer Chance.
Ribéry wird zusehends angefressener.
20': Anyukov taucht nach feinem Zuspiel vor Kahn auf, doch der Ex-Nationalkeeper hält den Schuss aus spitzem Winkel.
21' bis Halbzeit:
25': Freistoß nach Foul an Schweinsteiger aus 25 m, diesen chippt van
Bommel auf den aufgerückten Demichelis, dessen Kopfballvorlage etwas zu hoch ist für Luca Toni - Abstoß.
Ein ums andere Mal setzen sich die Bayern in direkten Zweikämpfen durch und drängen auf den Ausgleich.
Kaum noch bringen die Russen ihre Angriffsbemühungen über die Mittellinie, der FCB attackiert schon früh, wodurch sämtliche Spieler Zenits in der eigenen Hälfte gebunden werden.
Vor allem der verhältnismäßig offensiv agierende Demichelis macht eine gute Figur. Dick Advocaats Mannschaft wirkt zusehends nervöser und lässt sich vom Druck der Bayern beeindrucken.
32': Bei einem seiner zahlreichen Versuche verdribbelt sich der kleine Franzose der Bayern, doch die Kontergelegenheit Zenits verpufft.
33': Endlich Entlastung für Zenit: Ein Eckball, der jedoch nur bedingt Gefahr bringt.
Schweinsteiger agiert auf der rechten Seite unglücklich und hat längst nicht so viele Ballkontakte wie auf der gegenüberliegen Seite Ribéry. Gleiches gilt für Klose im Vergleich zu Toni.
Zenit kann sich jetzt ein bisschen befreien - die Jungs zeigen endlich, dass sie Fußball spielen können.
39': Und prompt passiert das, was die Bayern unter allen Umständen hätten verhindern müssen: Zyrianow vernascht per Körpertäuschung Zé Roberto und Demichelis und trifft schön zum 2:0.
Damit ist das Thema "Verlängerung" schon vorzeitig abgehakt. Bayern braucht jetzt zwei Tore - mindestens!
42': Nach Foulspiel von Toni wird eine Freistoßflanke von Ribéry abgepfiffen - weiter geht's in die andere Richtung.
Die Stimmung im Stadion ist großartig, die russischen Fans feiern ihre Mannschaft mit lauten Sprechchören.
1 Minute vor der Halbzeit wirkt Bayern konzentriert, aber nach wie vor nicht wirklich zwingend, was auch der gut gestaffelt stehenden Zeniter Mannschaft geschuldet ist.
Eine flache Hereingabe von Zé Roberto lässt Schweinsteiger durch, doch der gut stehende Luca Toni kann nichts aus der Chance machen.
Fazit: Die Führung von St. Petersburg geht in Ordnung, wenngleich sie wohl ein Tor zu
hoch ausgefallen ist. Die Bayern kontrollieren das Spiel, doch weder Luca Toni, noch der bisher schwache Miroslav Klose strahlten bisher übermäßige Torgefahr aus. Positiv ist anzumerken, dass
sich der designierte deutsche Meister nicht aufgegeben zu haben scheint, aber hier greift vermutlich der weithin wohlbekannte Spruch "Die Bayern wären nicht die
Bayern..."
46' bis 70':
Hitzfeld setzt zu
Beginn der zweiten Halbzeit auf die dringend nötige Offensive: Für den defensiv schwachen Jansen kommt Lell, für den Lahm auf links rückt und Podolski löst Zé Roberto ab und gibt die hängende
Spitze.
Bayern kommt aggressiver aus der Kabine, die Zeichen stehen auf Sturm.
Doch sollten die Münchener die Konterstärke der Russen nicht unterschätzen.
50': Toni mit guter Chance, jedoch klärt der Keeper der Russen - der darauf folgende Eckball bringt nichts ein.
Hinten steht Bayern jetzt relativ offen, alle Spieler sind offensiv ausgerichtet.
Noch zu selten versuchen es die Bayern konsequent über die Außenbahn, Schweinsteigers frecher Schuss aus dem Halbfeld faustet Malafejew hoch in den St. Petersburger Himmel. Da Toni Foul spielt,
bekommt er daraufhin einen Freistoß.
54': 3:0 für den russischen Meister! Anyukov mit sehenswerter Flanke von links, Fajsulin trifft völlig frei im 5m-Raum stehend per Kopf unhaltbar zur Entscheidung (wenn man bedenkt, dass Bayern
nicht über eine herausragende Möglichkeit verfügte bisher).
Zenit bleibt weiterhin mit Kontern gefährlich, doch eigentlich bleibt Bayern nichts anderes mehr übrig, als aufzumachen.
Man muss den Russen für ihre Konsequenz in der Chancenauswertung ein dickes Kompliment aussprechen - außerdem ist ihre Ballsicherheit bemerkenswert.
61': Poldi verpasst aus 7m eine gute Hereingabe von Schweinsteiger - war aber auch schwierig zu nehmen, dieser Ball.
62': Der sehr schwache Klose macht Platz für Sosa.
Die Bayern geben sich zwar nicht auf, gelingen will ihnen aber auch nichts mehr. Diese Partie ist entschieden.
67': Luca Toni holt sich die 6. Gelbe seiner UEFA-Cup-Saison ab, nachdem er geschoben hatte.
Es ist kein Zug zum Tor mehr zu erkennen, der sog. aggressive leader der Münchener van Bommel macht auch keine Anstalten, mit einem "Zeichen" etwas daran zu ändern.
70': Mit lauten Rufen feiert das Stadion die Heimmannschaft - sie hat es sich wahrlich verdient, obwohl zunächst Schweinsteiger und danach Podolski zu so etwas wie Torgelegenehiten kommen. 20
Minuten sind's noch, doch für 3 Tore bräuchten die Bayern heute wohl eher 5 Stunden.
71' bis
Spielende:
73': Und das nächste Ding: Dominguez lässt Lahm auf links so richtig alt aussehen, bedient in der Mitte Torjäger
Pogrebnjak, der locker aus 12 m zu seinem 10. Tor im Wettbewerb
einschiebt. 4:0, Bayern blamiert sich beim letzten UEFA-Cup-Spiel seines Kapitäns Kahn und Coaches Hitzfeld bis auf die Knochen.
76': Ribéry aus 22 m noch einmal, doch sein Schuss geht 4 m links am Tor vorbei.
77': Pogrebnjak kassiert seine 5. Gelbe und
ist damit im Finale gesperrt: Eine arge Schwächung für die Russen im City of Manchester Stadium.
Das Spiel plätschert 10 Minuten vor Schluss nur noch vor sich hin, nennenswerteste Aktion zur Zeit sind bengalische Feuer und deren Übergreifen auf Sitzschalen in der Fankurve Zenits.
84': Zenit lässt die Bayern laufen und das ein ums andere Mal ins Leere. Es ist einfach nur noch traurig.
Die Bayern sehnen nur noch den Schlusspfiff herbei, doch wer kann es ihnen nach diesem Abend verdenken?
89': Beide Mannschaften nur noch mit Minimalaufwand unterwegs, für Dominguez kommt der Koreaner Lee.
90'+1': Ionow kommt für Denisow.
Schlusspfiff.
Fazit: Der Sieg von Zenit geht völlig in Ordnung, Bayern schaffte es nicht, aus 18 Torschüssen etwas Zählbares zu machen. Das letzte Spiel im
Europacup von Trainer Hitzfeld und Torhüter Kahn hätte deprimierender kaum verlaufen können, doch die Bayern hatten es einfach nicht verdient, hier heute weiter zu kommen. Die Russen lieferten
ein konzentriertes Spiel ab und stellten sich auch nicht nach dem 2:0 hinten rein, sondern spielten weiter mit und zelebrierten teilweise sehr ansehnlichen Offensiv- und Konterfußball.
Glückwunsch an St. Petersburg!
Voir tous les articles
Keine Kommentare zu diesem Artikel
0
Neueste Kommentare